Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân

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Hamburg-Billbrook, Halskestraße 72. Es ist die Nacht auf den 22. August 1980. Zwei Mitglieder der terroristischen und rechtsextremistischen Vereinigung “Deutsche Aktionsgruppe” verüben einen brutalen Brandanschlag auf eine Geflüchtetenunterkunft, in der zu diesem Zeitpunkt 240 Menschen leben. Zwei von ihnen werden durch Molotowcocktails, die in ein Zimmer im Erdgeschoss geschleudert werden, getötet: Nguyễn Ngọc Châu, 22 Jahre und Đỗ Anh Lân, 18 Jahre alt. Beide sind zu diesem Zeitpunkt erst wenige Monate in Deutschland.

34 Jahre später, im August 2014, findet das erste Mal nach der offiziellen Trauerfeier im Jahr des Anschlags wieder eine Gedenkkundgebung für Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân statt. Zu diesem Zeitpunkt sind die rassistischen Morde und ihre beiden Opfer in Hamburg fast vollständig vergessen. Aufgerufen zu der Kundgebung haben Aktivsit*innen, aus denen später die  Gruppe “Initiative für ein Gedenken an  Nguyễn Ngọc Châu und und Đỗ Anh Lân.” hervorgeht. Der Anschlagsort, die ehemalige Unterkunft in der Halskestraße, ist inzwischen ein Hotel.

Eine angemessene und dauerhafte Form des Gedenkens, die Verankerung der Erinnerung  an die rassistischen Morde im städtischen Gedächtnis – mit diesen Forderungen errichten die Aktivist*innen an diesem Tag im August 2014 eine Gedenktafel. Nur wenige Stunden später wird diese im Auftrag des Hotelmanagements wieder entfernt.

          Die Umbenennung der Halskestraße nach Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân.

          Die entsprechende Umbenennung der Bushaltestelle am Tatort.

          Eine fest installierte Gedenktafel, die die Ereignisse dokumentiert und an die beiden Opfer erinnert.

Mit diesen Forderungen tritt die Gruppe in der Zeit nach der Errichtung der Gedenktafel in der Öffentlichkeit auf. Um damit, wie sie auf ihrer Webseite schreiben,

“Position zu den Taten zu beziehen und Solidarität gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen zu zeigen. (…) Sich erinnern heißt, die Voraussetzung dafür zu verbessern, Neonazismus und Neonazis zu ächten. Sich erinnern heißt auch, die rassistischen Grundströmungen zu bekämpfen, die gesellschaftlich und institutionell wirksam sind.”

Eine Auswahl an Presseartikeln zu dem Brandanschlag und der Arbeit der Initiative sind hier verlinkt, eine Übersicht der seit 2014 jährlich stattfindenden Gedenkkundgebungen gibt es hier.

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