Arbeiter*innenkinder an der Uni

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Bewerbung, Finanzierung, Orientierung im Studium und Perspektiven für ein Danach – das Zurechtfinden an Hochschulen, Fachhochschulen, Universitäten oder Kunstakademien hat viele Ebenen. Ein Faktor für Aufnahme und Gelingen eines Studiums ist in Deutschland immer noch die eigene Herkunft – und damit u.A. die Frage, ob beispielsweise die eigenen Eltern, oder andere Familienmitglieder, studiert haben. Ist das nicht der Fall, entscheiden sich viele junge Menschen bereits im Vorfeld gegen ein Studium, nichtzuletzt aus Mangel an Informationen, Vorbildern, Ansprechpersonen. Seit 2008 arbeitet  “Arbeiterkind.de” zu dieser Form klassistischer Diskriminierung – an der Schnittstelle zwischen Beratung, Motivation, Lobbyarbeit und Information. Der gemeinnützigen Organisation gehe es dabei um die Herstellung von “Chancengleichheit” zwischen Menschen aus akademisch und nicht-akademisch geprägten Elternhäuser. Ziel sei es nicht, ein Hochschulstudium per se über andere Formen der Aus-/ und Weiterbildung zu stellen.

Lokal, flächendeckend und teilweise ehrenamtlich organisiert arbeitet die Organisation als Netzwerk – mit Mentoring-Angeboten, Informationsveranstaltungen und einer eigenen Online-Plattform zur Vernetzung.

ALLERDINGS: Die inhaltliche Ausrichtung kann dabei vorsichtig als pragmatisch bezeichnet werden. Kritische, intersektionale Perspektiven, welche zum Beispiel die wirkmächtigen, rassistischen Diskriminierungen von Familien mit Migrationsgeschichte genauer in den Blick nehmen, sind hier kaum zu finden. Auch wird nicht auf Menschen mit Behinderung, psychischen Erkrankungen oder chronischen Krankheiten eingegangen. Ebensowenig wie kritische Positionen gegnüber neoliberalen Prinzipien, welche den auf Leistungssteigerung zielenden Umbau der europäischen Hochschullandschaft im Zuge der Bologna-Reformen oder die Ökonomisierung von Bildungsprozessen generell zum Thema haben.

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