Homestory Deutschland – Der Jugendreader

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Im Rahmen der Ausstellung 2012/13 ist zur pädagogischen Vermittlung der Ausstellungsinhalte, mit freundlicher Unterstützung von der Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft”, im Oktober 2012 ein Reader für SchülerInnen, LehrerInnen und PädagogInnen entstanden. Dieser pädagogische Reader kann von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen gegen eine Spende in Höhe von 10 Euro unter info@homestory-deutschland.de bestellt werden.

Aus dem Vorwort

Die Präsenz von Schwarzen Menschen in Deutschland und von Deutschen afrikanischer Herkunft hat vielfältige Gründe. Ihre Anwesenheit hierzulande lässt sich bereits lange vor der deutschen Kolonialgeschichte feststellen. Als Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Menschen vom afrikanischen Kontinent nach Deutschland kamen, befanden sich ihre Länder unter deutscher Kolonialherrschaft und Flagge Deshalb besaßen viel von ihnen die deutsche Staatsangehörigkeit – auch wenn diese Tatsache bis heute nicht anerkannt wird.

Im Zuge des Zweiten Weltkrieges und in den Jahren danach kamen Schwarze Menschen als Befreier von der Nazigewaltherrschaft und als Aufbauhelfer_innen nach Deutschland. In den letzten mehr als fünfzig Jahren immigrierten viele Menschen afrikanischer Herkunft: als Student_innen, Wissenschaftler_innen, Künstler_innen, als Arbeitskräfte und Flüchtlinge.reader-cover_01

Deutschland hat es sich dennoch für lange Zeit schwer gemacht, die Existenz Schwarzer Menschen sowie die bestehende ethnische und kulturelle Vielfalt als Normalität zu akzeptieren. Erst vor gerade einmal einem Jahrzehnt wurde die seit Langem existente Realität Deutschlands als Einwanderungsland offiziell anerkannt. Genau diese Realitätsverweigerung ist es auch, welche Schwarzen Menschen in diesem Land ihre deutsche Identität abspricht. Ob eingewandert oder nicht, Deutschsein wird noch immer von der Idee einer ethnischen Homogenität getragen.

Diese Tatsache macht das Projekt Homestory Deutschland. Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart so wichtig.

Sowohl die Ausstellung als auch der vorliegende Jugendreader bieten die Chance, sich mit den historischen und gegenwärtigen Verfasstheiten von Menschen afrikanischer  Herkunft unterschiedlicher  Generationen in der deutschen Einwanderungsgesellschaft zu beschäftigen. Homestory Deutschland, ein von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund e.V.) initiiertes Projekt, verleiht ihnen Gesicht und Stimme und zeigt vor allem das Potential auf, das in diesen Menschen steckt. Es geht um eine selbstbewusste, vor allem aber um eine selbstverständliche Auseinandersetzung mit einer Schwarzen Präsenz.

Der vorliegende Reader richtet sich mit seinem biografisch orientierten Erzählen über die Geschichte und Gegenwart von Schwarzen Menschen insbesondere an Jugendliche und Schüler_innen. Gerade deshalb passt das Projekt gut in das Programm Geschichte (n) in Vielfalt« der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. Die EVZ bemüht sich, vernachlässigte Geschichtsbezüge in der Einwanderungsgesellschaft in die kollektive Erinnerungskultur zu avancieren. Damit können Menschen nicht nur an der Deutung und Aufarbeitung von Geschichte – ihrer Geschichte – teilhaben, sondern auch andere Menschen an ihrer Erfahrung teilhaben lassen. Weil Wissen verbindet.

Mekonnen Mesghena

Leiter des Referats Migration und Diversity in der Heinrich-Böll-Stiftung

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